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Non-Fiction – Jorinde Voigts Blick auf das Jetzt | Radio Arty – May 14, 2026 Jorinde Voigt im Interview mit Yaneq
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Non-Fiction – Jorinde Voigts Blick auf das Jetzt | Radio Arty
Künstlerin Jorinde Voigt im Interview zur Ausstellung in der Galerie Judin
14.05.2026 Jorinde Voigt im Interview mit Yaneq
Mit Non-Fiction zeigt Jorinde Voigt eine Ausstellung, die weniger erzählen will, als vielmehr ein Gefühl von unmittelbarer Gegenwart erfahrbar macht.
Malerei ohne Ausweichbewegung
Im Zentrum der Ausstellung steht die Frage, wie Kunst auf eine Realität reagieren kann, die sich permanent verdichtet und kaum noch greifbar scheint. Jorinde Voigts Arbeiten verweigern dabei jede Form von Eskapismus oder dekorativer Überhöhung. Stattdessen entstehen Werke, die den Moment festhalten, bevor er erklärt oder eingeordnet wird. Besonders die Serie If-Then-Condition I–IX wirkt wie ein Versuch, Wahrnehmung wachzuhalten und Bewusstsein neu zu bündeln. Die zarten Rosa- und Rottöne erinnern dabei weniger an Harmonie als an Alarmzustände, ohne jedoch ihre Wärme zu verlieren. So entstehen Arbeiten, die gleichzeitig verletzlich und konzentriert wirken.
Wenn Material zum Ereignis wird
Auch die später entstandene Serie Sky Script I–VI beschäftigt sich mit Realität, allerdings auf eine offenere und fast atmosphärische Weise. Ausgangspunkt war ein sehr konkreter Moment: der erste blaue Himmel des Jahres, den Voigt in Farbe übersetzen wollte. Die Werke entstehen aus einem Zusammenspiel von Tinte, Wasser, Pigmenten, Temperatur und Zeit – Prozesse, die sich nie vollständig kontrollieren lassen. Dadurch wird das Bild weniger zu einem festen Objekt als vielmehr zu einem Ereignis, das sich während seiner Entstehung entfaltet. Voigt arbeitet dabei nicht gegen das Material, sondern gemeinsam mit ihm. Genau darin liegt die besondere Ruhe dieser Arbeiten: Sie behaupten nichts Lautes, sondern machen sichtbar, wie intensiv ein einzelner Moment sein kann.
Jorinde Voigt ist besonders für ihre konzeptuellen Zeichnungen und raumgreifenden Arbeiten bekannt. Ihre Werke verbinden wissenschaftliche, philosophische und emotionale Fragestellungen mit einer sehr eigenen visuellen Sprache. Dabei bewegt sie sich oft zwischen Zeichnung, Malerei und Installation und entwickelt komplexe Systeme aus Linie, Farbe und Bewegung. Ihre Arbeiten wurden international in zahlreichen Museen und Institutionen gezeigt und befinden sich weltweit in bedeutenden Sammlungen.