SALON KENNEDY WIESEN, GERMANY

Duo exhibition
CHARGE/d (with Michael Sailstorfer)
Salon Kennedy, Wiesen
until May 31, 2026

CHARGE/d brings together Jorinde Voigt and Michael Sailstorfer in a rural shed in Wiesen and is
conceived in dialogue with the oak planting and basalt stele set to honour Joseph Beuys on the
same day. The exhibition asks how energy and attention become form: how instructions initiate
processes, how living systems collaborate with matter, and how the choreography of looking
and moving shapes a shared experience. Rather than a conventional white-cube presentation,
the shed functions as a threshold between everyday use and a space of deliberate perception—
affirmed, before one even enters, by masks by Sailstorfer mounted outside, both a welcome
and a watchful presence.
Inside, Sailstorfer’s Batterie works think with Beuys’ Capri-Batterie (1985). Where Beuys staged
an image of electricity and limitation with a lemon and a bulb, Sailstorfer translates the question
of “charge” into a material and temporal sequence. In selected iterations, objects are cast in
beeswax, placed in active hives, and finally translated into bronze. Honeycomb structures
accrue on the wax as the colony labours; the subsequent cast fixes this biological time as surface
memory. The works render energy as relation rather than output—an interplay of instruction,
organism and alloy—compressing transformation into a compact sculptural loop. The masks,
in turn, extend the ritual dimension of entry: reduced, stylised features become an instrument
for attention, quietly recoding the encounter as one of presence and reciprocity.
Voigt’s drawings approach Beuys’ social sculpture from the register of notation. Working
with lines, vectors, rotations, graphite and gold, she composes scores for temporal and social
phenomena: the present as a field of micro-energies; situations tracked as orientations and
speeds; rhythm—after Elias Canetti—as a corporeal and political force; attention as a vector
that modulates what comes into form. What may at first read as a dense network of marks
resolves into legible structures of movement and focus. In proximity to the day’s procession—
water drawn at the stream, the walk to the hill, the setting of tree and basalt—Voigt’s drawings
become instruments to read the social pulse of a temporary ensemble without reducing it to
data.
Together, the works negotiate authorship and collaboration, immediacy and duration. The shed’s
working architecture situates them between storage and display, between the practical and
the symbolic. CHARGE/d sits alongside “Verschoben – Skulpturen im öffentlichen Raum,” the
summer project that traced a temporary sculpture path through the village from the Kunstverein
up to the culture hill. Read with the oak and basalt—inscribing a permanent path into the
landscape—the exhibition articulates two tempos of commitment: what surges for a day and
what endures for decades. CHARGE/d bridges these tempos by asking viewers to register
transformation, to let attention act, and to consider how shared gestures become form.
Kunstverein Wiesen CHARGE/d
www.salonkennedy.de • Salon Kennedy . K ennedyallee 100 . 6 0596 Frankfurt • info@salonkennedy.de
TEXT (Deutsch)
CHARGE/d versammelt Jorinde Voigt und Michael Sailstorfer in einem ländlichen Schuppen in
Wiesen und steht in Dialog mit der Eichenpflanzung zu Ehren von Joseph Beuys sowie einer an
diesem Tag gesetzten Basaltstele. Die Ausstellung fragt danach, wie Energie und Aufmerksamkeit
zu Form werden: wie Anleitungen Prozesse in Gang setzen, wie lebendige Systeme mit Materie
kooperieren und wie die Choreografie von Blick und Bewegung eine geteilte Erfahrung formt.
Statt einer konventionellen White‑Cube‑Präsentation fungiert der Schuppen als Schwelle
zwischen Alltagsgebrauch und einem Raum gezielter Wahrnehmung — bereits vor dem Eintritt
bestätigt durch von Sailstorfer außen montierte Masken, zugleich ein Willkommen und eine
wachende Präsenz.
Im Inneren denken Sailstorfers Batterie‑Arbeiten mit Beuys’ Capri‑Batterie (1985). Wo Beuys
mit einer Zitrone und einer Glühbirne ein Bild von Elektrizität und Begrenzung inszenierte,
übersetzt Sailstorfer die Frage nach „Ladung“ in eine materielle und zeitliche Abfolge. In
ausgewählten Iterationen werden Objekte in Bienenwachs gegossen, in aktive Bienenstöcke
gestellt und schließlich in Bronze überführt. Während die Kolonie arbeitet, lagern sich
Wabenstrukturen auf dem Wachs ab; der anschließende Bronzeguss fixiert diese biologische
Zeit als Oberflächengedächtnis. Die Arbeiten zeigen Energie als Relation und nicht als bloßen
Output — ein Zusammenspiel von Anweisung, Organismus und Legierung — das Verwandlung
zu einer kompakten skulpturalen Schleife verdichtet. Die Masken erweitern zugleich die rituelle
Dimension des Eintritts: reduzierte, stilisierte Züge werden zum Instrument der Aufmerksamkeit
und lesen die Begegnung leise als Akt von Präsenz und Gegenseitigkeit um.
Voigts Zeichnungen nähern sich Beuys’ Sozialer Plastik über das Register der Notation. Mit
Linien, Vektoren, Rotationen, Graphit und Gold komponiert sie Partituren für zeitliche und soziale
Phänomene: das Jetzt als Feld mikroenergetischer Geschehnisse; Situationen als Kartografien
von Orientierung und Geschwindigkeit; Rhythmus — nach Elias Canetti — als leibliche und
politische Kraft; Aufmerksamkeit als Vektor, der bestimmt, was Gestalt annimmt. Was sich
zunächst als dichtes Geflecht von Zeichen zu vernehmen gibt, löst sich in lesbare Strukturen
von Bewegung und Fokus auf. In Nähe zur Prozession des Tages — dem Wasserholen am
Bach, dem Weg zum Hügel, dem Setzen von Baum und Basalt — werden Voigts Zeichnungen
zu Instrumenten, den sozialen Puls eines temporären Ensembles zu lesen, ohne ihn auf bloße
Daten zu reduzieren.
Gemeinsam verhandeln die Arbeiten Fragen von Autorschaft und Kooperation, von
Unmittelbarkeit und Dauer. Die Arbeitsarchitektur des Schuppens verortet sie zwischen Lager
und Präsentation, zwischen Praktischem und Symbolischem. CHARGE/d steht zugleich neben
„Verschoben – Skulpturen im öffentlichen Raum“, dem Sommerprojekt, das einen temporären
Skulpturenpfad vom Kunstverein hinauf zum Kulturhügel zeichnete. Im Zusammenspiel mit der
Eichenpflanzung zu Ehren von Joseph Beuys und der Basaltstele — die einen dauerhaften Pfad
in die Landschaft einschreiben — artikuliert die Ausstellung zwei Tempi des Engagements: das,
was sich an einem Tag auflädt, und das, was über Jahrzehnte Bestand hat. CHARGE/d vermittelt
zwischen diesen Tempi, indem es die Besuchenden auffordert, Verwandlung wahrzunehmen,
Aufmerksamkeit handeln zu lassen und zu bedenken, wie geteilte Gesten zu Form werden.

 

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