WV 2026-011
Equilibrium
Integration / Assuming disturbance as cause
Jorinde Voigt
Berlin, 2026
76.2 x 127 cm / 30 x 50 inch
watercolour pencil, gold leaf, gouache, ink, pastel on watercolour paper
unique, recto signed
WV 2026-011
Equilibrium
Integration / Assuming disturbance as cause
Jorinde Voigt
Berlin, 2026
76.2 x 127 cm / 30 x 50 inch
watercolour pencil, gold leaf, gouache, ink, pastel on watercolour paper
unique, recto signed
WV 2026-012
Equilibrium
Synthesis / Total Interaction
Jorinde Voigt
Berlin, 2026
76.2 x 127 cm / 30 x 50 inch
watercolour pencil, gold leaf, gouache, ink, pastel on watercolour paper
unique, recto signed
WV 2026-013
Equilibrium
Exploration / The Interrelation
Jorinde Voigt
Berlin, 2026
76.2 x 127 cm / 30 x 50 inch
watercolour pencil, gold leaf, gouache, ink, pastel on watercolour paper
unique, recto signed
WV 2026-014
Equilibrium
The Hermetic
Jorinde Voigt
Berlin, 2026
76.2 x 127 cm / 30 x 50 inch
watercolour pencil, gold leaf, gouache, ink, pastel on watercolour paper
unique, recto signed
WV 2026-015
Equilibrium
The Trace / Interweaving Front – Back – alternating
Jorinde Voigt
Berlin, 2026
76.2 x 127 cm / 30 x 50 inch
watercolour pencil, gold leaf, gouache, ink, pastel on watercolour paper
unique, recto signed
WV 2026-035
Equilibrium
The Unexpected / The Enigmatic
Jorinde Voigt
Berlin, 2026
76.2 x 127 cm / 30 x 50 inch
watercolour pencil, gold leaf, gouache, ink, pastel on watercolour paper
unique, recto signed
WV 2026-036
Equilibrium
The Bold / Repetition
Jorinde Voigt
Berlin, 2026
76.2 x 127 cm / 30 x 50 inch
watercolour pencil, gold leaf, gouache, ink, pastel on watercolour paper
unique, recto signed
Equilibrium
Integration / Assuming disturbance as cause
Synthesis / Total Interaction
Exploration / The Interrelation
The Hermetic
The Trace / Interweaving Front – Back – alternating
The Unexpected / The Enigmatic
The Bold / Repetition
Adaption to the inner image / Adaption to the outer image
8 Arbeiten auf Papier
Jorinde Voigt
Berlin, 2026
Jeweils 76.2 x 127 cm / 30 x 50 inch
watercolour pencil, gold leaf, gouache, ink, pastel on watercolour paperunique,
recto signed
Die 8 Arbeiten mit dem Titel Equilibrium setzen sich mit dem Prozess des Lernens, Verstehens und Agierens auseinander, begleitet vom Begriffsfeld der Äquilibration[1], Apperzeption[2], Intimität[3] und Emergenz[4].
Die Arbeiten untersuchen, wie aus der Interferenz einzelner rhythmischer Abläufe durch zufällige Überlagerungen ein Möglichkeitsraum entsteht: wie Konglomerate gebildet werden, Assoziationen entstehen, Bedeutung erzeugt wird und Zusammenhänge sichtbar werden. In der Technik des Verwebens – von Vorder- und Rückseite, Hell und Dunkel, Opakem und Durchlässigem, Flüssigem und Staubigem – eröffnet sich ein Untersuchungsraum, in dem Prozesse des Wahrnehmens, Verknüpfens und Erkennens und der Autonomisierung sichtbar werden.
Die Untertitel – Integration / Assuming disturbance as cause, Synthesis / Total Interaction, Exploration / The Interrelation, The Hermetic, The Trace / Interweaving Front – Back – alternating, The Unexpected / The Enigmatic, The Bold / Repetition, Adaption to the inner image / Adaption to the outer image – verweisen auf unterschiedliche Zustände, Bewegungen und Bedingungen innerhalb dieses Prozesses.
Jede einzelne Linie ist mit Kommunikation geladen – mit Erlebtem, das sich in Bewegung einschreibt. Unterschiedliche Arten von Linien verdichten unterschiedliche philosophische Fragestellungen: Die geschlängelte Linie thematisiert das gleichzeitige Ausgerichtetsein und Suchen, Schwingung und Orientierung. Die gerade Linie entsteht aus Entschiedenheit unter Geschwindigkeit. Ephemere Linien verweisen auf das Kommen und Gehen eines Gedankens, einer zunehmenden und wieder abnehmenden Intensität.
Die Arbeiten entstehen durch verschiedene Formen der Handlung. Anmischen ( hin zur aktuellen Farbe des Himmels), Eintauchen (des Papiers in das Tuschebad), Übergießen (das Auswaschen der nassen Pigmente mit Wasser), Schleudern (von flüssiger Tusche über einen langhaarigen Pinsel), mehrfache rhythmische Notation (in Form von Bewegungsabfolgen mit Farbstift auf dem Papier), Durchquerung des neu entstandenen Bild – Raums (mit gestrichelter Linie), Benennung (entstandener visueller Konglomerate als „pulsierend“, „rotierend“, „in variabler Dimension der Ausdehnung“).
Das anmischen der blauen Tusche orientiert sich am aktuellen Himmel über der Wiese am Atelier in der Situation.
Das Papier wird durch das erzeugte Farbbad gezogen, mit Wasser übergossen; das Auswaschen der Pigmente erzeugt lichte Flächen.
Die gefärbten Papiere werden direkt nebeneinander zum Trocknen auf dem Atelierboden ausgelegt und bilden zusammen ein großes Format.
Im Anschluss entstehen darüber, schwungvolle kreisförmige Bewegungen mit langhaarigem, in dunkelblaue Farbe getauchtem Pinsel. Die Splash artigen Spuren reichen über das einzelne Format weit hinaus und verweisen auf Raum jenseits des Blattes, sowie auf die Nachbar-Blätter.
Darauf folgen rhythmische Sequenzen einzelner Bewegungen mit Farbstift ausgeführt: 1. eine Form, die sich nach links ausbuchtet; 2. eine Form, die sich nach rechts ausbuchtet; 3. eine Form, die – wie ein Smile, ein Lächeln oder ein Gefäß, ein Bogen – etwas hält und aufnimmt. 4. Eine weitere Form schließt einen nach oben gewölbten Bogen um Bestehendes. 5.) Ein von außen nach innen rotierendem Strich mit zentralem imperativem Abschluss erscheint entschieden und abrupt, in maximaler Intensität – als Betonung des totalen Moments.
Die sich kreuzenden, kumulierenden, alleinstehenden, sich berührenden Spuren der Farbstift-Zeichnung werden im folgenden Schritt zum Anlass den Raum zwischen den Linien mit hellem, dunklem, farbigen Pigmentstäuben zu bearbeiten. Trompe-l’œil-artig stellen sich dadurch Bereiche nach vorne oder hinten, assoziieren die Annahme eines tieferen Raumes oder einer Körperlichkeit der Zwischenräume. Das illusionistische stellt sich bewusst nicht 100% ein, um die Ebene der Materialität des Staubes nicht zu verlieren.
Mit Blattgold überlagerte Flächen thematisieren das Hermetische. Das Hermetische, das Unzugängliche ist damit ein eigenständiges Thema. Und zugleich nicht trennbar von der materiellen Reflexion von Licht. Erst durch die Bewegung des Betrachters vor der Arbeit wird an den vergoldeten Flächen das Rückreflektieren des Raumlichts erlebbar und betont die notwendige Bewegung des Betrachters. Das führt auch zum Verlassen der Vorstellung eines optimalen Standorts der Betrachtung. Nur durch die Summe aller möglichen erfahrbaren Blickwinkel wird die Charakteristik des hermetischen Goldauftrags sichtbar. Das Hermetische und die Notwendigkeit maximaler Beweglichkeit verschmelzen an dieser Stelle zu einem Thema.
Verschiedenfarbige, kleine gestrichelte Linien durchqueren die verschiedenen Ebenen, verweben sich erneut, bewegen sich zwischen unten und oben, innen und außen, legen in jedem Schritt fest was davor, was dahinter angesiedelt ist. Sie wandern von einem Ereignis zum nächsten über das Blatt, erforschen dessen Struktur und hinterlassen einen Pfad und verweben durch ihren Pfad das durchkreuzte Gebiet.
Beschriftungen markieren pulsierende Orte, die sich ausdehnen und wieder zusammenziehen, ihre Dimension verändern und neu organisieren.
Die Arbeiten führen die Reihe Emergenz – Studien fort. Sie untersuchen den Moment, in dem autonome, miteinander verkettete und lesbare Deutungszusammenhänge entstehen – den Übergang von Erfahrung in Bewegung; Die Erfahrung der Bewegung, die zur Spur wird und zu Struktur, – in der Zeit, – in allen seinen spezifischen Möglichkeiten der Komplexitätsbildung.
[1] Äquilibration, auch Aequilibration oder Equilibration (von lat. Aequilibrium „Gleichgewicht“) ist ein entwicklungspsychologischer Begriff nach Jean Piaget. Äquilibration beschreibt den Prozess, bei dem Kinder (aber auch andere Personen) Assimilation und Akkommodation austarieren, um zu stabilen Strukturen des Verstehens zu gelangen. Jean Piaget: Die Äquilibration der kognitiven Strukturen. Stuttgart 1976, ISBN 3-12-926530-9.
[2] Apperzeption (aus neulateinisch adpercipere „hinzuwahrnehmen“) bezeichnet die bewusste und klare Wahrnehmung eines Erlebnisses, Gedankens oder Sinneseindrucks. Wilhelm Wundt: Grundriß der Psychologie. Leipzig, 1896. Wilhelm Wundt war ein deutscher Psychologe, Physiologe und Philosoph und gilt als Begründer der modernen experimentellen Psychologie.
[3] Die Intimitäts-Gleichgewichtstheorie, oder Gleichgewichtstheorie der Intimität (englisch: Equilibrium theory of intimacy) beruht auf der Annahme, dass ein Kompromiss zwischen einer Annäherungs- und einer Vermeidungstendenz in der Interaktion zwischen zwei Personen gesucht wird, der den Sollwert der angenehm erlebten Intimität darstellt. Die Interaktion wird auf unterschiedlichen Kanälen der Kommunikation wie Blickkontakt, Distanz und Ausdrucksverhalten (z. B. Lächeln) vermittelt.
[4] Emergenz bezeichnet das Entstehen neuer Eigenschaften oder Strukturen eines Systems durch das Zusammenspiel seiner Teile – Eigenschaften, die sich nicht direkt aus den einzelnen Elementen ableiten lassen. Aristoteles formulierte ähnlich: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“